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SAP S/4HANA – Die Zukunft erwartet uns?!

Durch die Meldung von SAP SE den Support für das SAP ECC 6.0x Ende 2025 einzustellen, wurden die mittelständischen Unternehmen sehr verunsichert.

Mit diesem Artikel möchte ich Sie auf die kommenden, wesentlichen Veränderungen im Bereich Daten und Datenverwaltung hinweisen. Da ein Gesamtüberblick jedoch Bücher füllen könnte, folgt in dieser Ausgabe der zweite Teil der wichtigsten Veränderungen. Teil 1 meiner Ausführungen finden Sie im its-people Magazin vom November 2018.

Benutzeroberfläche

Bei der bisherigen Benutzung unter SAP ECC 6.0 kam überwiegend das bekannte Grafische User Interface (SAP GUI) am PC zur Anwendung. Diese Darstellung hat ihren Ursprung vor rund 25 Jahren. SAP hat im Laufe der Zeit versucht, sich anzupassen. Sie haben moderne Anforderungen und webbasierte Oberflächen namens SAP GUI for HTML (WebGUI) und SAP Business Client entwickelt. Da aber der größte Teil der Benutzer mit dem SAP GUI arbeitet, will ich hier nur den Vergleich zwischen diesem und der neuen Oberfläche unter S/4HANA ziehen.
Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, unter S/4HANA weiterhin mit einem SAP GUI zu arbeiten. Der Aufbau aus Menüleiste (1), Systemfunktionsleiste (2), Titelleiste (3), Anwendungsleiste (4), Dynpro-Bereich (5), Status-leiste (6) und der Aufruf über Transaktionscodes bleiben in dem SAP GUI unter S/4HANA gleich.

Eine Akzeptanz des neuen Systems wurde damit erleichtert. Auf der anderen Seite können dann die neuen Funktionalitäten unter S/4HANA nicht genutzt werden. Genug jetzt jedoch von der „alten“ Welt.

Die neue Benutzerinteraktion soll dem User die Arbeit erleichtern (weniger Eingaben), komfortabler sein (Verständnis erhöhen) und die Mobilität unterstützen (Handhelds, Tablets, Smartphones). Diese neue Oberflächentechnologie fasst SAP unter dem Begriff User Experience (UX) Strategie zusammen. Sie soll die Bedürfnisse, Erwartungen und Befindlichkeiten der Anwender widerspiegeln und basiert auf drei Punkten:

  • Business: Realisierung
  • Technology: Durchführbarkeit
  • People: Userakzeptanz

Sie sollen den S/4HANA Usern die Möglichkeit geben, Daten in Echtzeit auszuwerten und die auch von überall.

Die Phasen der SAP-UX-Strategie:

NEW: SAPUI5

Neuentwicklungen (Apps) von Anwendungen, Reports und Dashboards werden mittels SAPUI5 realisiert. SAPUI5 basiert auf HTML5 und passenden CSS in Verbindung mit JavaScript und JQuery.

RENEW: FIORI

Fiori-Apps sind bereits entwickelte und bereitgestellte Apps. Es gibt bereits mehrere tausend Apps, die gezielt auf ihre Aufgaben zugeschnitten und einfacher als die Standard-Transaktionen im SAP GUI zu bedienen sind.

Beispiel für eine App:

ENABLE: SAP Screen Personas

Wenn noch keine Fiori-Apps für gewünschte Transaktion, bzw. Kundeneigenentwicklungen existiert, kann man über SAP Screen Personas schnelle und kostengünstige Vereinfachungen von SAP-GUI-Transaktionen durch Entfernen und Verschieben von Feldern durchführen. Unter bestimmten Umständen lassen sich solch angepasste Transaktionen über den SAP Fiori Launchpad auch auf mobilen Endgeräten aufrufen.

Hinter den Apps verstecken sich die eigentlichen Prozessabläufe, und der User muss nur noch relativ wenige Daten eingeben, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Dadurch wird das ganze Anklicken/Blättern/Verschieben usw. deutlich reduziert und man spart Zeit durch die Konzentration auf das Wesentliche. Dies ist der große Vorteil, den diese Technik mit sich bringt. Des Weiteren kann man sich über die o. g. Möglichkeiten seine Information gezielt zusammenstellen und sie jederzeit abrufen (Vorteil der In-Memory-Technik).

Da dieser Artikel keine vollständige Schulung ist, sondern nur auf die wichtigsten Punkte hinweisen soll, möchte ich hier meine Ausführung bezüglich der Benutzeroberfläche beenden.

Lagerverwaltung

Die Warehouse Management (WM) Funktionen sind im S/4HANA weiterhin vorhanden und nutzbar. Neben dem Standard-WM gibt es außerdem noch das Extended Warehouse Management (EWM). Das EWM wurde zur Steuerung von komplexen Lagern und großen Logistikzentren geschaffen, da die notwendigen komplexen Prozesse im Standard-WM nicht abbildbar waren. Es läuft als separates System mit entsprechenden Schnittstellen zum SAP ERP. Unter S/4HANA wurde das EWM wieder in die Core-Funktionen integriert und ist als Embedded EWM nutzbar. Aufgrund des SAP-Lösungsansatz „Principle of One“ wird zukünftig nur noch ein Warehouse Management unterstützt. D. h. das Standard-WM ist zwar unter S/4HANA noch nutzbar, aber wie beim SAP ECC, wird der Support 2025 eingestellt und das Nutzungsrecht für WM in S/4HANA erlischt am 31.12.2025.

Das EWM teilt sich in S/4HANA in ein Basic Warehouse Management und ein Advanced Warehouse Management auf.
Das Basic-WM entspricht dem Standard WM unter SAP ECC 6.0 und umfasst folgende Funktionen:

  • Bestandsmanagement und Reporting
  • Inbound-Prozessabwicklung
  • Outbound-Prozessabwicklung
  • Interne Lagerbewegungen und Inventur

Die Lizenzkosten für das Basic-WM sind bereits in der S/4HANA-Lizenz enthalten. Die WM-Prozesse im S/4HANA bleiben mehr oder weniger gleich, da SAP ja das Rad nicht neu erfinden wollte. Einzig der Ablauf wird durch die Nutzung von Fiori-Apps optimiert, sodass weniger Schritte/Klicks notwendig sind, um die Prozesse abzuarbeiten.

Da wir aber hier von einem EWM sprechen, muss man sich den heutigen EWM (Standard) Prozess vor Augen führen, um die Unterschiede zum klassischen WM zu erkennen. Durch die dezentrale Nutzung des EWM zum SAP ERP-System, sind heute zusätzliche Belege notwendig. Anhand des Wareneingangsprozesses hat das SAP sehr schön veranschaulicht:
  
Unter S/4HANA ist das Embedded EWM ja Bestandteil der Core-Funktion und deshalb ist ein dezentrales Abwickeln nicht mehr nötig. Die Architektur ist aber fast gleich geblieben, da man kein neues EWM entwickelt hat, sondern das Bestehende integriert hat:

Wenn man jetzt berücksichtigt, dass das klassische WM unter S/4HANA nur noch bis 2025 nutzbar ist, sollte man sich bereits bei den Migrationsszenarien (Greenfield/Brownfield) schon Gedanken machen, wie spätere WM-Prozesse aussehen sollen.

Gerade bei WM-Prozessen finden zwar eigentlich keine Änderungen statt, aber die User müssen sich mit den neuen Abläufen auseinandersetzen. Insbesondere mit den in S/4HANA verwendeten Apps und Kacheln, da man sehr wahrscheinlich nicht mehr mit den Dialog-transaktionen arbeiten möchte. Hier ein Beispiel von SAP:

Zum Abschluss möchte ich noch kurz auf das Advanced Warehouse Management im Embedded EWM eingehen. Es entspricht dem heute verwendeten EWM und enthält folgende zusätzliche (zum Basic-WM) Funktionen:

  • Optimierung des Bestandsmanagements
  • Inbound-Prozessoptimierung
  • Outbound-Prozessoptimierung (z. B. Wellenmanagement)
  • Materialflusssteuerung (MFS)
  • Yard-Management und Cross Docking
  • Labor-Managementlogistische Zusatzleistungen (Value Added Service [VAS])
  • Lagerprozesskostenabrechnung

Hierfür ist eine vollständige EWM-Lizenz zusätzlich zur S/4HANA-Lizenz erforderlich.

Gerade für nicht komplexe Lager ist die Integration von EWM in die Core-Funktion von S/4HANA ein großer Vorteil, da man bereits früher einzelne Bestandteile des EWM gerne genutzt hätte, wäre da nicht der enorme Aufwand eines zweiten Systems mit entsprechenden Schnittstellenpflege gewesen.

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